Von:
Ulrich Fries

e-teufel.de

„Es gibt keinen Teufel!“, sagte vehement eine Teilnehmerin meiner Jugendgruppe - immer dann, wenn sie irgendwo – auch nur ansatzweise – das Wort „Teufel“ hörte. Merkwürdig. Es soll ihn nicht geben? Dabei weiß doch jeder, dass er im Detail steckt. In Literatur und Filmen spielt er ab und zu die Hauptrolle. Manchmal nimmt er sogar Menschengestalt an. Für viele Amerikaner war Osama bin Laden nach dem 11. September 2001 der personifizierte Teufel. In dessen Weltbild ist wiederum der US-Präsident der Teufel in Person. Und wir? Mancher vermutet den Teufel in seinem Nachbarhaus. Denn hin und wieder riecht es da so komisch…

So viele Teufel gibt es also. Und alle treten sie gleichzeitig auf. Es muss ihn also geben…

Die Bibel berichtet zumindest von bösen Dämonen und gefallenen Engeln. Da wird „Satan“, der Anwalt, erwähnt. Der Teufel erhielt hier schnell die Rolle des bösen Widersachers. Seine Wirkung beschränkt sich auf das Verführen von Menschen – selbst Gott blieb da nicht unversucht – und weitere nicht allzu teuflisch erscheinende Bosheiten. So schließt Satan etwa einmal Wetten ab mit dem Allmächtigen, ein andermal streitet er mit guten Engeln um den Leichnam Moses. Nur Geschichtchen von einem Kerl, der wirklich böse ist und Böses will?

Vielen Leuten scheint der Teufel als praktische Erklärung zu dienen, um unfassbar Schlimmes und Böses begreiflich zu machen. Besessen, nicht „Herr über sich selbst“, sei der Mensch, wenn er Untaten vollbringe. Also kann er gar nichts dafür, müsste der teuflische Massenmörder demnach freigesprochen werden? Diese Vorstellung ist mir absurd.Warum sollten dann gute Taten unteuflisch sein, die Werke allein von Menschen? Nein, das ist dann Gottes Wirken, wird man einwenden.

Schön, dann tut der Mensch also gar nichts mehr. Er wird hin- und hergezerrt zwischen Gut und Böse, zwischen Teufel und Gott. Dieser Gedanke gefällt mir nicht, genauso wenig wie die Aussage der eingangs erwähnten Jugendlichen, die mich zum Nachdenken brachte. Für mich ist der Teufel eine Ausrede und ein Name. Er ist Instrument, Gegner zu „verteufeln“ und Untergebene zu ängstigen. Martin Luther dachte ein wenig anders. Zwar nannte er den Papst einen Teufel, fürchtete sich dann aber so sehr vor dem Leibhaftigen, dass er ein Tintenfass nach ihm geworfen haben soll. Hätte er getroffen, wäre der Teufel dann tot? Ganz gleich, ob es ihn gibt oder nicht: Für mich spielt er keine Rolle. Fest glaube ich und bete ich, dass Gott mir bei meinem Tun beisteht. Hörner sind mir dabei noch keine gewachsen.